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Bautypologie:

Werdenberg ist eines der bekanntesten Beispiele einer mittelalterlichen Holzbausiedlung mit städtischen Charakter. Über Jahrhunderte hinweg konnte sich die unverfälschte Bausubstanz und das Erscheinungsbild mit wenigen Ausnahmen erhalten. Von den grossen Brandkatastrophen, welche im 19. Jahrhundert etliche Rheintalergemeinden heimsuchte, blieb es verschont, wie bereits früher schon vor zerstörerischen Kriegshandlungen. Natürlich wurden die Häuser im Laufe der Zeit an- und umgebaut (Aufstockungen, Fensterausbrüche während Stickereizeit etc. Im Ganzen hat sich die ursprüngliche Substanz jedoch ausserordentlich gut erhalten, wie baugeschichtliche Abklärungen gezeigt haben. Im Unterschied zu anderen Holzbausiedlungen, welche meist in nur einer Bauweise errichtet wurden, weist das Städtchen eine erstaunliche Vielfalt der Bauweisen auf. Vorherrschend ist der Bohlenständerbau. Eine leichte Konstruktion mit Standhölzern, in deren Nuten Bohlen und Bretter von oben eingeschoben werden und mit überplatteten Bügen versteift sind. Bei einigen Häusern sind noch Spuren einer Versetzung auszumachen. Der hölzerne Überbau des Hauses gehörte zur Fahrhabe (wurde beim Umzug gezügelt) und daher dürften aus verschiedenen Orten Häuser in die Stadt gebracht worden sein und in den dafür vorgesehenen Platz eingefügt worden sein. Daneben existieren Fachwerkbauten, bei denen die Füllungen statt aus Holz aus Mörtel bestehen. Ebenso Strick-oder Blockbauten, die öfters im 19. Jahrhundert mit einer Schindelfassade versehen wurden. Die Lauben (gemauerte Arkaden mit stabilen, gotisch geschnittenen Pfosten) deuten auf das Markttreiben hin.

Lange Zeit war das Interesse am Städtchen und an seinen Häusern gering. Im 19. Jahrhundert wurden vereinzelt neue Häuser gebaut, insgesamt blieb aber die mittelalterliche Substanz weit gehend erhalten. Im Jahre 1960 führte die Schweizerische Vereinigung für Heimatschutz eine Taleraktion zur Sanierung des Städtchens durch. Die Stiftung Pro Werdenberg wurde gegründet und mit finanziellen Mitteln des Bundes und des Kantons ausgestattet. Nun erfolgte sukzessive die fachgerechte Renovation der Häuser. Als verantwortlicher Architekt hat sich der spätere Denkmalpfleger des Kantons St. Gallen, Walter Fierz (1908 – 1979), bleibende Verdienste um das Städtchen Werdenberg erworben. Ebenso der langjährige Präsident der Stiftung Pro Werdenberg, Dr. Theo Dommer aus Buchs sowie der Architekt Hansruedi Dietschi aus Werdenberg und Albert Knöpfli, welcher als Experte für die Denkmalpflege amtete.

Obschon der weitaus grösste Teil der Häuser im Städtchen restauriert sind, bleiben die Restaurationsarbeiten ein permanenter Prozess. Ein Prozess, der fachlich kompetent begleitet sein muss und diese Begleitung und Beobachtung wird für die Stiftung Pro Werdenberg auch in Zukunft ein Kernaufgabe bleiben.


   
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